
Theorie des Ensembles: Brinkmann / Sprangers / Thomé feat. Nguyên Lê
Im Jazz ist die Zahl drei mehr als eine bloße Ziffer – sie bildet die kleinste Einheit der Demokratie, ein fragiles Gleichgewicht, das ständig nach Auflösung strebt. Das Trio Theorie des Ensembles aus Kika Sprangers, Jörg Brinkmann und Christian Thomé ist ein Experiment über Freiheit. Es verkörpert das grenzübergreifende Paradoxon einer Musik, die ihre Grenzen kennt, nur um sie im Moment des Spiels genussvoll zu überschreiten.
Christian Thomé am Schlagzeug forscht im Rhythmus wie ein akustischer Alchemist – ein Mad Scientist, wie manche ihn nennen. In seinem Spiel steckt forschende Neugier; er jongliert mit Gegensätzen und erzeugt Groove, wo er am wenigsten erwartbar ist. Kika Sprangers trägt mit ihrem Saxofonspiel die ganze Geschichte der Jazz-Improvisation in sich. Als Nachwuchstalent aus Amsterdam beeindruckt sie mit einer Reife, die ihre Jahre weit übersteigt. Jörg Brinkmann schließlich – sein Cello bleibt im Jazz eine Seltenheit, ein Grenzgänger zwischen Klassik und improvisierter Moderne. Er schöpft die Vielfalt seines Instruments aus und schafft harmonische Überlagerungen, die das Trio mal wie Kammermusik, mal wie Avantgarde klingen lassen.
Das Konzept ist offen für Ergänzung und Reibung. Erster Gastmusiker ist Nguyên Lé, von dem die FAZ schrieb: „So wie er spielt niemand Gitarre." Wenn diese Musizierenden aufeinandertreffen, hinterfragen sie kulturelle Grenzen und wagen den Spagat zwischen strenger Komposition und freier Improvisation. In einer Welt, die mehr und mehr in unversöhnliche Teile zerfällt, beweist dieses Ensemble das Gegenteil: Musik findet ihre größte Intensität in der Schnittmenge.
Line-Up:
Jörg Brinkmann (Cello)
Kika Sprangers (Saxophon)
Christian Thomé (Schlagzeug)
Nguyên Lé (Gitarre, Gastmusiker)








